Auch am neunten Tag stand Zusum noch immer unter Wasser. Zwar war der Pegel weiter gefallen, doch große Bereiche des Ortes, der Felder und der Straßen waren weiterhin überflutet. Die Wassermassen hatten sich tief in das Gelände gefressen, und der Rückzug verlief mühsam. Jeder Zentimeter, der fiel, war hart erkämpft. In dieser kritischen Phase erhielten wir massive Unterstützung von außen: Immer mehr Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Landkreis, aus ganz Schwaben und sogar aus dem Allgäu rückten in Zusum an. Ihr gemeinsames Ziel war es, das verbliebene Wasser so schnell wie möglich aus dem Ort zu pumpen und die letzten stark belasteten Bereiche zu entlasten. Doch das war eine logistische Herausforderung: Mit schwerem Gerät wurden eilig provisorische Zufahrten und befestigte Wege angelegt, damit große Feuerwehrfahrzeuge die schweren Pumpen von der mittlerweile fast wasserfreien Nordseite zur weiterhin massiv überfluteten Südseite bringen konnten. Dort, im Süden des Ortes, standen noch erhebliche Wassermengen. Die Pumpen liefen im Dauereinsatz, unterstützt von zahlreichen Helfern, die unermüdlich Schläuche verlegten, Aggregate sicherten und Material transportierten. Die Zusammenarbeit war beeindruckend: Feuerwehr, THW, Bundeswehr, Landwirte und freiwilligen Helfer arbeiteten Schulter an Schulter. Mit dem sinkenden Wasser zeigte sich nun auch das ganze Ausmaß eines Problems, das uns bereits in den ersten Tagen in höchste Gefahr gebracht hatte: Das mit dem ausgeschwemmten Biberloch gesicherte Deichstück offenbarte nun seine wahre Schwachstelle. Erst als das Wasser wich, wurde das volle Ausmaß der massiven Unterspülung des Deichkörpers sichtbar. Auch unsere Landwirte unterstützten weiterhin unermüdlich mit ihren Maschinen. Ihre Hochleistungspumpen ergänzten die Feuerwehrtechnik perfekt und halfen, die verbleibenden Wassermassen zügig zu reduzieren. Tag 9 war ein Tag des entschlossenen, gemeinsamen Handelns. Ein Tag, an dem klar wurde, dass diese Krise nur durch die vereinte Kraft hunderter Hände zu bewältigen war. Das Wasser wich – langsam, aber stetig –, und Zusum kämpfte sich Schritt für Schritt zurück ins Leben.
