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Am Morgen des fünften Tages war der Höchststand der Katastrophe erreicht. Die ersten Sonnenstrahlen brachen durch die Wolken und legten das schreckliche Ausmaß offen: Straßen, Wege und Gärten standen mannhoch unter Wasser. Unsere Höfe und Häuser – darunter auch unser eigenes Feuerwehrgerätehaus – waren je nach Lage bis zu einem Meter im Erdgeschoss überflutet. Die Keller standen bis unter die Decke voll, und wir konnten uns im Ort nur noch mit Booten fortbewegen. Eine der größten und tückischsten Gefahren an diesem Tag war etwas, das man auf den ersten Blick kaum sah: Entgegen jeder Erwartung war der Strom im Ort nicht abgeschaltet worden, sondern lief unbeeindruckt weiter. Die Sicherungskästen und Stromzuleitungen versanken komplett im Hochwasser, wodurch sich einige Keller zu unsichtbaren Todesfallen entwickelten. Durch die Kurzschlüsse im Unterwasserbereich erhitzten sich die Anlagen so stark, dass die Stromkästen regelrecht zusammenschmolzen. Jedes Betreten der überfluteten Keller wäre lebensgefährlich gewesen. Als ob diese Bedrohung nicht gereicht hätte, kam eine massive Umwelt- und Gesundheitsgefahr hinzu: Mehrere Heizöltanks in Kellern und Nebengebäuden innerhalb unseres Ringdeiches wurden durch den enormen Auftrieb des Wassers aus ihren Verankerungen gerissen und schwammen auf. Das austretende Heizöl verteilte sich im gesamten, durch den Ringdeich eingeschlossenen Ortsbereich. Ein beißender, schwerer Ölgeruch lag über dem Dorf, begleitet von schillernden Ölschlieren auf der gesamten Wasseroberfläche. Zusum befand sich an diesem Tag im absoluten Ausnahmezustand. Die Flut hatte unseren Ort fest im Griff, und dieser Tag zeigte die wohl dunkelste, gefährlichste und zerstörerischste Phase der gesamten Katastrophe.