Der dritte Tag begann mit der ernüchternden Erkenntnis, dass unsere mühsame Arbeit des Vorabends dem steigenden Wasser nicht mehr Einhalt gebieten konnte. Die Wassermassen drückten nun mit unverminderter Härte gegen die Deiche – und das nicht mehr nur von Norden und Westen, sondern auch von der Südseite. Die völlig durchnässten und aufgeweichten Deichkörper hielten dem Druck zwar stand und brachen nicht, doch sie konnten ein Übertreten des Wassers nicht mehr verhindern. Nachdem am Vortag das behördliche Betretungsverbot erlassen worden war, mussten wir und alle Helfer am Deich auf Abstand bleiben. Jede Erschütterung hätte das Risiko unnötig erhöht. Wir standen da und mussten mit ansehen, wie das Wasser langsam und stetig über die Deiche in die Felder floss. Die Wasserkante stieg Zentimeter für Zentimeter über die Krone, und die zuvor errichteten Barrieren boten dem ständigen Andrang keinen Schutz mehr. Auch auf der Auchsesheimer Seite spitzte sich die Lage zu. Der am Vortag gesicherte Deich wurde nun ebenfalls überspült, und die Wassermassen flossen über die Oberkante. Die Zusam drückte mit einer Kraft, die selbst unsere Sandsackketten mühelos überströmt hätte. Innerhalb des Deichrings um Zusum breitete sich das Wasser langsam aus und füllte zunächst ausschließlich die Senken und Mulden rund um den Ort. Der dritte Tag endete für uns mit einer bedrückenden Mischung aus Erschöpfung, Sorge und der Erkenntnis, dass die Natur in diesen Stunden die Oberhand hatte. Doch trotz aller Rückschläge blieben wir vor Ort – bereit, sofort wieder einzugreifen, sobald sich eine Möglichkeit bot.
