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Der zweite Tag begann mit einer bedrückenden Stille über dem Ried – einer Stille, die nur vom stetigen Rauschen des Wassers durchbrochen wurde. Die Pegel stiegen unaufhaltsam weiter, Zentimeter für Zentimeter. Die Lage blieb kritisch: Die enorme Wassermenge der Donau wurde weiterhin in den Riedstrom ausgeleitet, um nördlich gelegene Städte vor einer Überflutung zu schützen. Was früher ein natürliches Überschwemmungsgebiet war, blieb nun trocken – und die Wassermassen drückten stattdessen mit voller Kraft in Richtung Zusum und Auchsesheim. Während auf der Auchsesheimer Seite hunderte Helfer unermüdlich daran arbeiteten, den Deich zu stabilisieren und Sandsäcke im Akkord verbauten, verschärfte sich die Lage für Zusum dramatisch. Das Wasser erreichte beinahe die Deichkrone. Besonders gefährlich waren mehrere Senken im Deichkörper, die durch jahrelang fehlende Instandhaltung entstanden waren. Uns als Einsatzkräften war klar: Wenn das Wasser an diesen Stellen übertreten würde, liefe es ungehindert ins Dorf. Mittags sicherten wir gemeinsam mit den Kameraden der Feuerwehren der Gemeinde Tapfheim ein kritisches Biberloch im Landkanal. Dieses Loch wurde von uns gezielt mit einer Kaskade aus Sandsäcken gesichert. Dieser wichtige Schritt sollte verhindern, dass die Stelle weiter ausgespült, der Deich ausgeschwemmt und die letzte noch verbliebene Zufahrtsstraße nach Zusum überschwemmt wird. In den Abendstunden spitzte sich die Lage am Norddeich erneut massiv zu. Wegen der Senken im Deichkörper stand eine Überspülung kurz bevor. Sofort rückten wir mit zahlreichen freiwilligen Helfern an – darunter auch viele engagierte Frauen aus der Bevölkerung, die beim Schleppen der schweren Säcke unermüdlich anpackten. In einer enormen Kraftanstrengung stapelten wir unzählige Sandsäcke, um die kritischen Vertiefungen des Deichs auszugleichen. Dieser kräftezehrende Einsatz endete jedoch abrupt, als von den Behörden ein striktes Verbot erlassen wurde: Die Deiche durften wegen akuter Bruchgefahr ab sofort nicht mehr betreten werden. Der durch das Wasser extrem aufgeweichte Deichkörper war derart instabil geworden, dass jede noch so kleine Erschütterung durch Personen oder Gerätschaften zu einem sofortigen Deichbruch hätte führen können. Wir mussten den direkten Bereich am Deich räumen. Der zweite Tag endete für uns ohne Entwarnung. Doch Zusum stand noch – dank der unermüdlichen Helferinnen und Helfer, unserer Kameraden und einer Dorfgemeinschaft, die trotz der massiven Gefahr bis zur letzten Minute alles tat, was in ihrer Macht stand.